Abgeschlossene Promotionen und Habilitationen

Finden Sie hier einen Überblick über abgeschlossene Verfahren seit 2014

Promotionen

Florian Kern: A Town Too Small for the Both of Us? The State, Traditional Authorities, and the Coordinationof Public Goods Provision in East Africa”

- Betreuerin: Prof. Dr. Katharina Holzinger 

Im heutigen subsaharischen Afrika koexistieren traditionelle politische Autoritäten – wie z.B. ‚chiefs’ oder ‚headmen’– mit staatlichen Institutionen. Die Arbeit analysiertdie strategischen, interaktiven Dynamiken in diesen „dualen Polities“. Dabei wird beschrieben und erklärt, wie und warum staatliche und traditionelle Autoritäten die Bereitstellung öffentlicher Güter koordinieren. Ein formal-theoretisches Modell erfasst zunächst die Anreizstrukturen der Interaktion. Die Validität und Erklärungskraft des Modells wird empirisch mit Methoden der qualitativen Inferenz und Fallstudien evaluiert. Die Analyse basiert auf Interviewdaten, die 2012/2013 durch Feldstudien in Kenia, Tansania und Uganda gesammelt wurden. Unter anderem zeigt die Arbeit, wie die Anreize politischer Autoritäten in Abhängigkeit der Gutseigenschaften variieren. Die Dissertation wurde als Teil eines Forschungsprojekts durch die Deutsche Stiftung Friedensforschung gefördert.

Seit November 2015 ist Florian Kern Postdoctoral ResearchFellow am Department of Government der Universityof Essex. Dort arbeitet in einem gemeinsamen Projektmit Prof. Kristian Skrede Gleditsch zu Sicherheit, Kriminalität und Governance in Native American Reservations.Das Projekt wird von der Gerda Henkel Stiftung gefördert.

Caroline Preidel: Zwischen Lebensschutz und Ökonomie.Parlamentarische Abstimmungen über denEmbryonenschutz im Deutschen Bundestag

- Betreuer: Prof. Dr. Christoph Knill

Im Deutschen Bundestag werden Abstimmungen zum rechtlichen Schutz von Frühembryonen als Gewissensfragen behandelt, so dass die Fraktionsdisziplin aufgehoben wird. Die Dissertation analysiert die Determinanten dieser Gewissensentscheidungen. Hierfür entwickelt Caroline Preidel ein neues theoretisches Erklärungsmodell,welches die klassische Prinzipal-Agenten Theorie mit Ansätzen der Politischen Soziologie und Sozialpsychologie vereint. Die empirische Analyse einzelne Abstimmungen deckt auf: Legislative Entscheidungen zum Embryonenschutz werden nicht nur von Instanzen beeinflusst, die religiöse Überzeugungen vermitteln,sondern auch von solchen, die wirtschaftliche Interessen vertreten. Darüber hinaus zeichnet sich im Zeitverlauf eine wachsende Zersplitterung des christlichen Lagers ab. Nicht nur die Unionsparteien, sondern auch die Gruppe der Katholiken erweist sich als zunehmend heterogen.

Caroline Preidel arbeitet als wissenschaftliche Mitarbeiterin am Geschwister-Scholl-Institut der Ludwig-Maximilians-Universität München. Dort lehrt sie und ist im ERC-Projekt MORAPOL tätig.

Sabine Ott: The Grass Is Always Greener? Armed Group’ Side Switching in Civil Conflicts

- Betreuer: Prof. Dr. Nils Weidmann 

Die Arbeit untersucht das Phänomen des Seitenwechselns bewaffneter Gruppen in Bürgerkriegen und dessen Auswirkungen auf Konfliktdynamiken. Seitenwechseln zeichnet sich dadurch aus, dass Rebellen sich dem Staat anschließen und fortan als paramilitärische Gruppen agieren und Regierungsmilizen wenden sich vom Staat ab, um ihrerseits als Rebellengruppen aufzutreten. Im Rahmen des Dissertationsprojekts wurden neue Daten(History of Armed Actors Dataset) erhoben, um dieses Phänomen empirisch zu untersuchen. Die Ergebnisse zeigen, dass bestimmte Gruppenmerkmale– Homogenität und Kohäsion – das Überlaufen zum Feind wahrscheinlicher machen. Beide Eigenschaften ermöglichen die gruppeninterne Koordination des Seitenwechselns. Außerdem zeigt die Studie auf, dass das Überlaufen zum Feind Gewalt gegen Zivilisten begünstigt. Die bewaffneten Gruppen wenden Gewalt gegen die Bevölkerung als Strategie an, um sich in der durch das Seitenwechseln veränderten Akteurskonstellation sowohl gegenüber der Regierung als auch den anderen nichtstaatlichen Gewaltakteuren neu zu positionieren. Die Promotionsschrift trägt dazu bei, Rebellengruppenund Regierungsmilizen in theoretische Konzepte und empirische Analysen zu integrieren. Sie unterstreicht auch die Notwendigkeit fluide Akteurskonstellationen zu konzeptualisieren und zu analysieren.

Sabine Otto tritt zum Mai 2016 eine Postdoc-Stelle am Department for Peace and Conflict Research der Universität Uppsala an.

Espen Geelmuyden Rød: Protest Dynamics in Autocracies

- Betreuer: Prof. Dr. Nils Weidmann

Die jüngere Geschichte zeigt, dass Proteste, die sich gegen die Regierung richten, eine bedeutende Rolle spielen,um politische Veränderungen in autokratischen Systemen einzuleiten. Dennoch hat das Thema relativ wenig wissenschaftliche Aufmerksamkeit erhalten. Die Promotionsarbeit leistet einen Beitrag zum Verständnis von Protestdynamiken in autoritären Regimen, indem sie neue theoretische Ansätze aufzeigt und das Auftreten, die Beständigkeit sowie die geographische Diffusion von Protesten in Autokratien empirisch untersucht. Insbesondere untersucht die Studie, wie sich das Zusammenspiel zwischen gewaltsamer Unterdrückung von Demonstranten und vorhandener politischer Institutionen auf Protestdynamiken auswirkt. Des Weiteren geht die Dissertation auf die aufkommende Debatte über die Auswirkungen moderner Informationstechnologien auf Proteste ein, indem herausgearbeitet wird, wie Aktivisten und autokratische Regierungen diese Technologien zu ihrem Vorteil nutzen.

Espen Geelmuyden Rød arbeitet als Postdoc in der Arbeitsgruppe "Communication, Networks and Contention" an der Universität Konstanz.


Weizhun Mao: In WTO We Trust? International Institutions and Domestic Interactions

- Betreuer: Prof. Dr. Gerald Schneider

Die Dissertation zeichnet ein elaborierteres Bild der Dynamiken auf der internationale Ebene und den innerstaatlichen Ergebnissen. Sie überbrückt die theoretische Trennung zwischen internationalen Institutionen als Makrostrukturen und dem interaktiven Verhalten innerstaatlicher Akteure als Mikroindikatoren. Die Arbeit strebt zudem danach zentrale Elemente der Theorien internationaler Beziehungen rationalistischen und konstruktivistischen Charakters in der Erklärung dieses langen und komplexen Kausalzusammenhangs zu integrieren. Mit dem Ziel die Effekte internationaler Institutionen auf die Verhaltensentscheidungen in den Interaktionen substaatlicher Akteure zu untersuchen, entwickelt die Arbeit einen umfassenden theoretischen Rahmen und verwendet Contest Success Functions (CSF) zur Entwicklung mathematischer Modelle aus struktureller und prozessualer Perspektive. Spieltheoretische Berechnungen und Datensimulationen werden angewandt um die Prämissender mathematischen Modelle zu untersuchen. Anschließendwerden zwei empirische Tests vorgenommen, welche den Effekt von Institutionen internationalen Handels (GATT/WTO) auf innerstaatliche politische Konfliktemessen. Dabei finden statistische Methoden wie LogitRegression, Regressions-Diskontinuitäts-Analyse (RDD), Propensity Score Matching (PSM) etc. Anwendung.

Weizhun Mao arbeitet als Researcher (Associate Professor) an der School of Government der Universität Nanjing.

Habilitationen

Martin Elff: Politischer Wettbewerb und Gesellschaft: Empirische und methodische Beiträge zur Analyse ihrer Wechselbeziehungen

Die Habilitation ist publikationsbasiert und beruht auf einer Reihe von in internationalen Fachzeitschriften veröffentlichten Artikeln und einem Sammelbandbeitrag, die sich mit unterschiedlichen Themen befassen, aber durch den Fokus auf die Wechselbeziehungen zwischen politischem Wettbewerb und gesellschaftlichen Strukturen zusammengehalten werden. Der Beitrag zum Sammelband stellt die Rolle von gesellschaftlichen Werto- rientierungen für das Wahlverhalten in Deutschland heraus. Zwei in Perspectives on Politics und German Politics erschienene Aufsätze befassen sich mit der Entwicklung des Einflusses von sozialer Schichtung und Religiositätt auf das Wahlverhalten. Der in Electoral Studies erschienene Aufsatz setzt diese Entwicklung in Beziehung zu den sich wandelnden politisch-ideologischen Positionen von Parteien, während ein in Political Analysis erschienener Aufsatz die Rekonstruktion solcher Positionen aus Wahlprogrammen verfeinert. Ein in Acta Politica erschienener Aufsatz befasst sich damit, wie das Muster des Wechselwahlverhaltens in den Niederlanden die politischen Positionen der Parteien widerspiegelt. Ein weiterer in Political Analysis erschienener Aufsatz behandelt eine Methode, Muster individuellen Wahlverhaltens aus Wahlkreisergebnissen herauszuarbeiten. 

Martin Elff ist Inhaber des Lehrstuhls für Politische Soziologie an der Zeppelin Universität Friedrichshafen. 

Ulrich Sieberer: MPs, Parties and Institutions. Rational Choice Institutionalist Studies of Parliamentary Behavior in European Democracies

Die kumulative Habilitationsschrift untersucht das Spannungsverhältnis zwischen Abgeordneten und ihren Parteien in europäischen Parlamenten. Außerdem wird die Rolle analysiert, die institutionellen Regelungen bei der Strukturierung individuellen Verhaltens und parlamentarischer Prozesse allgemein zukommt. Kernfragen der aus sechs publizierten Artikeln in Fachzeit- schriften sowie einem Überblickskapitel bestehenden Arbeit sind unter anderem: Warum stimmen Parlamentsabgeordnete meist mit ihren Parteien und warum weichen sie gelegentlich von der Parteilinie ab? Wie beeinfussen institutionelle Anreize das Verhalten von Parlamentsabgeordneten, die Ergebnisse parlamentarischer Prozesse und den politischen Wettbewerb generell? In welchem Ausmaß und unter wel- chen Bedingungen werden institutionelle Regeln selbst reformiert? 

Aufbauend auf dem Rational Choice institutionalistischen Paradigma werden Abgeordnetenverhalten als individuell rationale Handlungen erklärt. Diese werden von persönlichen Policy-Präferenzen und Karrierezielen der Abgeordneten sowie den institutionellen Rahmenbedingungen ihres Handelns beein usst. Die Erklärung wird durch quantitative Analysen individuellen Abstimmungsverhaltens und dessen Rechtfertigung in meh- reren europäischen Parlamenten erhärtet. Des Weiteren beschäftigt sich die Arbeit mit Agendasetzungs- regeln, mit deren Hilfe eine Regierung parlamentarische Prozesse in ihrem Sinne strukturieren, ihre inhaltlichen Präferenzen umsetzen und die Themen des politischen Wettbewerbs bestimmen kann. Für den deutschen Fall zeigt sich, dass die Bundesregierung über eine institutionell schwache Position im Bereich der Agendasetzung verfügt. Sie ist daher kaum in der Lage, ihre Prioritäten mit Hilfe institutioneller Vorteile durchzusetzen und Anliegen der Opposition aus dem Parlament fernzuhalten. Die Arbeit untersucht außerdem institutionelle Reformen in Parlamenten. Diese stellen einen spezifischen Mechanismus dar, der rationalen Akteuren hilft, indirekt ihre substanziellen Präferenzen zu verfolgen. Eine Analyse aller Geschäfts-ordnungsänderungen der nationalen Parlamente in Deutschland, Österreich und der Schweiz zeigt, dass parlamentarische Regeln häufig, umfangreich und hinsichtlich aller Themenbereiche verändert werden. Davon ausgehend wird ein theoretischer Erklärungsrahmen für diese institutionellen Reformen entwickelt. 

Ulrich Sieberer ist seit 2016 Professor für empirische Politikwissenschaft an der Otto-Friedrich-Universität Bamberg