Emmy-Noether-Projekt

Das von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) von Januar 2011 bis Juli 2015 geförderte Emmy-Noether-Projekt "The Politics of Education and Tranings Reforms in Western Welfare States" beschäftigte sich mit Berufs- und Hochschulbildungssystemen im internationalen Vergleich und ihren institutionellen und parteipolitischen Entstehungsbedingungen.

Ein Vergleich der Bildungssysteme westlicher Demokratien zeigte deutliche Unterschiede, zum Beispiel hinsichtlich der Bedeutung der Berufsbildung, der Höhe der Bildungsausgaben, der Bedeutung privater Bildungsträger oder des Grades der Bildungsungleichheit. Schweden etwa gibt überdurchschnittlich viel für alle Bildungssektoren aus, der Grad der Bildungsungleichheit ist gering, und die berufliche Bildung ist in das allgemeine Sekundarschulwesen integriert.

In Deutschland dominiert die betriebliche, duale Berufsausbildung, der Hochschulsektor ist unterfinanziert, und es bestehen beträchtliche Ungleichheiten im Bildungssystem. Im Vereinigten Königreich hingegen nimmt die berufliche Ausbildung eine untergeordnete Stellung gegenüber der Hochschulbildung ein und wird primär über Marktbeziehungen organisiert.

Das Projekt ging aus der Perspektive der vergleichenden Wohlfahrtsstaatenforschung und der vergleichenden politischen Ökonomie der Frage nach, welche politischen und institutionellen Faktoren die Ausprägung dieser unterschiedlichen  Entwicklungspfade von Bildungsregimen erklären können. Es wurden primär die Fälle Deutschland, Schweden und das Vereinigte Königreich, aber auch Dänemark, Finnland, die Niederlande, die Schweiz, Australien, die Vereinigten Staaten, Ireland und Japan betrachtet. Darüber hinaus wurden large-n im OECD-Vergleich durchgeführt. Der Untersuchungszeitraum erstreckte sich vom Ende des Zweiten Weltkrieges bis heute. Die zentrale Arbeitshypothese war, dass das Handeln von Regierungsparteien zu Zeiten von kritischen Weichenstellungen bei der Herausbildung unterschiedlicher Pfade eine wichtige Rolle spielt. Parteipolitische Ideologien, Strategien und Präferenzen sind allerdings in hohem Maße von politischen und sozio-ökonomischen Institutionen geprägt. Die Erforschung dieser Schnittstelle zwischen Parteipolitik und sozio- ökonomischen Institutionen ist der theoretische Beitrag des Projekts.

Projektleiter: Prof. Dr. Marius Busemeyer

Projektmitarbeiter: Dr. Janis Vossiek, Dr. Julian L. Garritzmann; ehemalige Mitarbeiter: Dr. Michael Dobbins; Dr. Raphaela Schlicht-Schmälzle