Abgeschlossene Projekte

Bildungsreformen in Baden-Württemberg

Nach dem Regierungswechsel im lange CDU-regierten Baden-Württemberg 2011 wurden von der neuen grün-roten Landesregierung viele Reformen im Bildungswesen angestoßen. Während es für eine umfassende Evaluierung ihrer Wirksamkeit und (längerfristigen) Auswirkungen noch zu früh ist, kann eine systematische Analyse der Einschätzungen von Expert_innen und Betroffenen hilfreich für die weiteren Entwicklungen im Bildungswesen sein. Die umfassende und neutrale Darstellung ihrer Erfahrungen und Einschätzungen kann in Diskussionen auf Regierungsebene einfließen und als Grundlage für Entscheidungsprozesse zu strukturellen Verbesserungen der Bedingungen im Bildungssystem in Baden-Württemberg beitragen. Dies ist das Ziel der von der FES ausgeschriebenen Studie über „Bildungsreformen in Baden-Württemberg“.

Projektleitung: Prof. Dr. Marius R. Busemeyer

Projektmitarbeiter: Susanne Haastert, M.A.

Laufzeit: 21. Mai – 30. September 2015

Fördersumme: 16.000 €

Finanzierung durch: Friedrich-Ebert-Stiftung

  

Emmy-Noether-Projekt: The Politics of Education and Training Reforms in Western Welfare States

Das von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) von Januar 2011 bis Juli 2015 geförderte Emmy-Noether-Projekt "The Politics of Education and Tranings Reforms in Western Welfare States" beschäftigte sich mit Berufs- und Hochschulbildungssystemen im internationalen Vergleich und ihren institutionellen und parteipolitischen Entstehungsbedingungen.

Ein Vergleich der Bildungssysteme westlicher Demokratien zeigte deutliche Unterschiede, zum Beispiel hinsichtlich der Bedeutung der Berufsbildung, der Höhe der Bildungsausgaben, der Bedeutung privater Bildungsträger oder des Grades der Bildungsungleichheit. Schweden etwa gibt überdurchschnittlich viel für alle Bildungssektoren aus, der Grad der Bildungsungleichheit ist gering, und die berufliche Bildung ist in das allgemeine Sekundarschulwesen integriert.

In Deutschland dominiert die betriebliche, duale Berufsausbildung, der Hochschulsektor ist unterfinanziert, und es bestehen beträchtliche Ungleichheiten im Bildungssystem. Im Vereinigten Königreich hingegen nimmt die berufliche Ausbildung eine untergeordnete Stellung gegenüber der Hochschulbildung ein und wird primär über Marktbeziehungen organisiert.

Das  Projekt ging aus der Perspektive der vergleichenden Wohlfahrtsstaatenforschung und der vergleichenden politischen Ökonomie der Frage nach, welche politischen und institutionellen Faktoren die Ausprägung dieser unterschiedlichen  Entwicklungspfade von Bildungsregimen erklären können. Es wurden primär die Fälle Deutschland, Schweden und das Vereinigte Königreich, aber auch Dänemark, Finnland, die Niederlande, die Schweiz, Australien, die Vereinigten Staaten, Ireland und Japan betrachtet. Darüber hinaus wurden large-n im OECD-Vergleich durchgeführt. Der Untersuchungszeitraum erstreckte sich vom Ende des Zweiten Weltkrieges bis heute. Die zentrale Arbeitshypothese war, dass das Handeln von Regierungsparteien zu Zeiten von kritischen Weichenstellungen bei der Herausbildung unterschiedlicher Pfade eine wichtige Rolle spielt. Parteipolitische Ideologien, Strategien und Präferenzen sind allerdings in hohem Maße von politischen und sozio-ökonomischen Institutionen geprägt. Die Erforschung dieser Schnittstelle zwischen Parteipolitik und sozio- ökonomischen Institutionen ist der theoretische Beitrag des Projekts.

Projektleiter: Prof. Dr. Marius Busemeyer

Projektmitarbeiter: Dr. Janis Vossiek, Dr. Julian L. Garritzmann, Dr. Michael Dobbins;
Dr. Raphaela Schlicht-Schmälzle

Governing Complex Education Systems - Fallstudie Deutschland

Das OECD-Projekt “Governing Complex Education Systems” untersucht neu entstandene Herausforderungen für Bildungsgovernance in entwickelten Demokratien, die unter dem Thema "erhöhter Komplexität" zusammengefasst werden können. Letzere ist nicht nur Folge des demographischen und technologischen Wandels und neuer Herausforderungen der Wissensgesellschaft: Schüler, Eltern und andere Stakeholder des Bildungssystems sind heutzutage stärker diversifiziert, stellen höhere Ansprüche an dessen Leistungsfähigkeit und verlangen zunehmend Vergleichdaten zur Performanz von Schülern und Schulen (also Bildungsmonitoring).

Während eine der wichtigsten Politikreaktionen in der Dezentralisierung bildungspolitischer Kompetenzen besteht, widmet sich die Studie mit Deutschland einem Fall, in dem Bildungsreformen vor besondere Hürden gestellt sind: Aufgrund der bildungspolitischen Kompetenzverteilung zwischen verschiedenen Regierungsebenen sind Governance-Reformen eines zunehmend komplexer werdenden Bildungssystems vergleichsweise schwierig. Während die Kommunen und Länder für die Finanzierung und Bereitstellung von Bildungsangeboten gemeinsame Verantwortungen haben, besitzt die Bundesebene nur geringe bildungspolitische Einflussmöglichkeiten, die mit der Föderalismusreform von 2006 noch weiter geschwunden sind.

In der Fallstudie analysieren wir das „Lernen vor Ort“ (LvO)-Programm der deutschen Bundesregierung zur Entwicklung von Bildungsmonitoring und Bildungsmanagement auf der kommunalen Ebene. Die Fallstudie basiert auf mehr als 90 Experteninterviews mit bildungspolitischen Akteuren auf der Bundesebene und in fünf untersuchten, am Programm teilnehmenden Kommunen sowie einer umfangreichen Medien- und Dokumentenanalyse. Auf dieser Grundlage und vor dem Hintergrund des deutschen Bildungsföderalismus analysieren wir die Struktur und Charakteristiken von LvO und untersuchen dessen Umsetzung und Wahrnehmung in fünf ausgewählten Kommunen und kreisfreien Städten. Vor dem Hintergrund der geringen formalen Bildungskompetenzen des Bundes untersuchen wir als zentrale Forschungsfragen, inwiefern das LvO-Programm einen effektiven Ansatz für die Weiterentwicklung kommunaler Bildungsgovernance darstellt, wie es zum Wissensaustausch und der Kooperation zwischen lokalen bildungspolitischen Akteuren beigetragen hat und welche Schlussfolgerungen sich anhand des Programms für Governancereformen in der deutschen Bildungspolitik treffen lassen.

Projektmitleiter: Prof. Dr. Marius Busemeyer

Projektmitarbeiter: Dr. Janis Vossiek

Exzellenzcluster: Internationalisierung von Finanzmärkten und nationale Muster privater Verschuldung

Welchen Einfluss hat die Internationalisierung der Finanzmärkte auf die Verschuldung privater Haushalte? In den vergangenen Jahren hat diese Verschuldung in vielen westlichen Ländern dramatisch zugenommen, jedoch handelt es sich dabei nicht um einen überall gleichförmigen Trend. Wir erklären die Unterschiede der privaten Verschuldung damit, dass die Internationalisierung von Finanzmärkten in kulturell verschieden ausgeprägten Volkswirtschaften (Varieties of Capitalism) auf der Angebotsseite des Kreditmarktes mehr oder weniger risikoreiches Geschäftsgebaren stimuliert.

Die Kernthese des Projektes lautet, dass die kulturellen Besonderheiten von Volkswirtschaften für ausländische Banken wie Barrieren wirken, die sie durch hohe Risiken, wie etwa besonders günstige Kreditkonditionen für private Haushalte, zu kompensieren versuchen. Dies soll sowohl quantitativ als auch qualitativ, anhand von Fallstudien in Deutschland, Großbritannien, Italien und Schweden, untersucht werden. Wir möchten auf diese Wiese überprüfen, inwiefern das Risikoverhalten von Marktakteuren nicht nur rationalen Erwägungen der Profitmaximierung folgt, sondern auch dem Risikoverhalten von Konkurrenten angepasst wird, wodurch Märkte gefährlich destabilisiert werden können.

Das Projekt wird vom Exzellenzcluster "Kulturelle Grundlagen von Integration" der Universität Konstanz gefördert.

Projektleiter: Prof. Marius Busemeyer