Prof. Dr. Wolfgang Seibel

Login |
 
 

Governance in fragilen Staaten *Governance in fragile states*

Dozent: Florian Roth

Donnerstag, 10:15 bis 11:45

Das Proseminar geht der Frage nach, wie in sogenannten fragilen Staaten die Wahrnehmung zentraler Staatsaufgaben (von der öffentlichen Sicherheit über das Justizwesen bis hin zur lokalen Verwaltung) organisiert wird und welche Probleme bei der Wahrnehmung der Aufgaben in diesem spezifischen Handlungskontext zu überwinden sind. Bei fragilen Staaten handelt es sich häufig um Länder, die in jüngerer Zeit einen bewaffneten Konflikt erlebt haben oder die sich in der post-kolonialen Konsolidierungsphase befinden. Die Fragilität eines Staates kann aber auch durch ökonomische, ethnische oder politische Spannungen hervorgerufen oder begünstigt werden. Staatsaufgaben in fragilen Staaten werden häufig nicht allein von der jeweiligen nationalstaatlichen Regierung wahrgenommen, sondern sie werden regelmäßig ergänzt und in Ausnahmefälle sogar durch regionale Akteure wie die Afrikanische Union oder durch globale Organisationen wie die Vereinten Nationen ersetzt.

Nach einer Einführung in die wichtigsten Konzepte der Thematik wird sich das Proseminar insbesondere mit den Vereinten Nationen als Governance-Akteur auseinandersetzen. Dabei soll unter anderem den Fragen nachgegangen werden, wie Interventionen in die inneren Angelegenheiten souveräner Staaten legitimiert werden und ob die Vereinten Nationen in der Lage sind, selbst umfassende Staatsaufgaben zu erfüllen.

Im weiteren Verlauf des Seminars wird der Blickwinkel durch eine Betrachtung regionaler Akteure erweitert. Der Einbezug regionaler Akteure verspricht gleichzeitig eine kulturell sensiblere Lösung von Governance-Problemen sowie eine Entlastung globaler Governance-Akteure wie der Vereinten Nationen. Bislang bleiben allerdings noch zahlreiche Hindernisse bei diesen Ansätzen bestehen, die im Rahmen des Seminars kritisch betrachtet und hinsichtlich möglicher Lösungsstrategien diskutiert werden.

Ziele des Proseminars sind die Vermittlung und Einübung grundlegender wissenschaftlicher Arbeitstechniken wie zum Beispiel Literaturrecherche, Umgang mit Fachdatenbanken, Schreiben von Hausarbeiten, Entwickeln und Formulieren von Forschungsfragen sowie Halten von Präsentationen. Darüber hinaus soll eine kritische Auseinandersetzung mit einem komplexen Untersuchungsgegenstand in seinen politik- und verwaltungswissenschaftlichen Dimensionen stattfinden.

Literatur:

Caplan, Richard. (2005): International governance of war-torn territories: rule and reconstruction, Oxford University Press, Oxford.

Osaghae, Eghosa E. (2007): Fragile States, Development in Practice, Vol. 17, No. 4/5, pp. 691-699.

Jackson, Robert H.; Rosberg, Carl G. (1982): Why Africa's Weak States Persist: The Empirical and the Juridical in Statehood, World Politics, Vol. 35, No. 1, pp. 1-24.

Blatter, Joachim (2007): Demokratie und Legitimation, in: Arthur Benz; Lütz, Susanne; Schimank, Uwe; Simonis, Georg (eds.), Handbuch Governance, Wiesbaden: VS Verl. für Sozialwiss., pp. 271-284.

Diehl, Paul F. (2008): Peace operations, Polity, Cambridge.

Leistungsnachweis:

Hausarbeit, Exposé, mündliches Referat, Mitarbeit