Die Transformation von Verfolgungsnetzwerken des Holocaust am Beispiel Belgiens (1940-1944)
Mitarbeiter: Dr. phil. Insa Meinen
Gefördert durch: Deutsche Forschungsgemeinschaft
Laufzeit: 16.6.2005 – 15.6.2008
Kooperationspartner:
- Centre d’études et de documentation guerre et sociétés (Céges – Bruxelles)
- Fondation de la mémoire contemporaine (Bruxelles)
- Musée juif de la déportation et de la résistance ( Malines )
- Service des victimes de la guerre auprès du ministère de la Santé publique (Bruxelles)
Zusammenfassung:
Die Untersuchung zielt auf die exemplarische Beschreibung und Analyse der Differenzierung und Individualisierung der Strukturen der gegen die Juden gerichteten Verfolgungsapparate und der Handlungslogiken der Verfolger und ihrer Helfer in Belgien unter deutscher Besatzung 1940 – 1944. Gegenstand im engeren Sinne ist die Ausweitung der Arbeitsteilung in den Verfolgungsapparaten und die Verfeinerung der Taktiken und Techniken der Verfolgung angesichts knapper Personalressourcen, einer großen Zahl untergetauchter Juden, schwacher Unterstützung durch die inländische Verwaltung und Polizei und aktiver Unterstützung für die Untergetauchten seitens der belgischen Bevölkerung. Überprüft werden soll die Annahme, dass Machtdifferenzierung und Arbeitsteilung, obwohl von der Kerngruppe der Verfolger in SS und Gestapo nicht favorisiert, den Verfolgungsapparat als solchen nicht notwendigerweise ineffektiver gemacht haben, weil der Verlust an Kontrolle auf Seiten der Verfolger durch erhöhte Anreize zur Mitwirkung Dritter kompensiert wurde. Der Untersuchungsfall Belgien wurde gewählt, weil dort im Unterschied zu anderen westeuropäischen Ländern unter deutscher Besatzung die Mehrzahl der Juden statt durch Razzien und andere Massenfestnahmeaktionen durch Einzelverhaftungen in die Gewalt der Besatzer gelangte, weil bislang gesperrte belgische Archive in jüngster Zeit zugänglich wurden und weil Belgien in der internationalen Holocaust-Forschung bislang ohnehin wenig Beachtung gefunden hat und zum Thema der hier projektierten Untersuchung auch keine belgische Forschungsliteratur vorliegt.
Veröffentlichungen:- Insa Meinen, „Face à la traque. Comment les Juifs furent arrêtés en Belgique (1942-1944)“, Les Cahiers de la Mémoire Contemporaine 6 (2005), p. 161-203.
- Insa Meinen, Qui a arrêté les Juifs en Belgique? Contribution dans le cadre du colloque international “La Shoah dans l’Ouest de l’Europe: Belgique , France et Pays-Bas en perspective”, organisé par le Centre d’histoire de Sciences Po (Paris) et le Centre pour l’étude de l’Holocauste ( Amsterdam ), Paris 1-3/12/2005.


